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Glanzvoller Auftakt des Festivals

Vater und Sohn Le Pogam aus Frankreich zeigten sich als große Könner / 170 Konzerte in 14 Wochen stehen bevor

Mit einem nahezu rein französischen Programm startete am Sonntag das elfte Orgelfestival Sønderjylland-Schleswig in der St.Nikolai-Kirche. Hausherr Michael Mages hatte für eine »Festliche Musik für zwei Hörner und Orgel« mit Thibaud Le Pogam und Vater Bernard Le Pogam zwei vorzügliche Exponenten der französischen Hornisten-Tradition geladen – eine nur auf den ersten Blick ungewöhnliche Kombination, die ganz vorzüglich mit den unendlichen raffinierten Klangvarianten der großen symphonischen Woehl-Orgel harmonisierte. Über 170 Veranstaltungen folgen in den kommenden 14 Wochen dem Auftaktkonzert und lassen die Orgeln zwischen Sylt und Sonderburg, zwischen Hadersleben und Rendsburg in Konzerten, Orgelführungen, Märchen- und Mitmachkonzerten für Kinder erklingen. Werke der großen klassischen Komponisten wie Bach, Händel oder Mendelssohn-Bartholdy stehen dabei ebenso auf dem Programm wie zeitgenössische Werke oder Vertonungen von Filmmusik, Tango und Jazz. Namhafte Organisten aus der Region, die die kirchenmusikalischen Hauptstellen in Dänemark und Deutschland besetzen, stehen dabei für die künstlerische Tradition und Arbeit vor Ort. Dazu gesellen sich aber auch wieder internationale Künstler wie die Briten William Saunders oder Stephen Farr. Ein besonderer Programmpunkt in diesem Jahr ist der Workshop »piano meets organ«, der junge Klavierspieler deutscher und dänischer Musikschulen einlädt, eigene Erfahrungen an diesem Instrument zu machen. Auch drei junge »Jugend musiziert«-Preisträger von 2012 (aus Handewitt, Sörup und Broager) zeigen im Anschluss ihr Können in einem Konzert.

In St. Nikolai eröffnete am Sonntag das programmatische Stichwort Frankreich etliche Möglichkeiten, die breite, meist klanggewaltige Palette hochvirtuoser Orgelliteratur der »grande nation« vorzustellen, vor allem effektvolle Werke aus der spätromantischen Phase. So nahm sich Michael Mages der berühmten Orgelsinfonie Nr. V von Charles Marie Widor an, verteilte ihre Sätze geschickt über den abwechslungsreichen Programmverlauf und untermauerte damit einmal mehr seinen Ruf als souveräner Orgelvirtuose, dem kluge Gestaltung, raffinierte Registrierung und untadelige Technik neben spürbarer Lust am gelegentlichen Zugriff allzeit reichlich zu Gebote stehen. Besonders reizvoll die Begegnung mit Widors später Orgelsinfonie Nr. X, deren vertracktes Kreisen um die »idee fixe« eines gregorianischen Chorals von charaktervoller Originalität und zwingender Unkonventionalität zeugt. Die beiden bestens miteinander harmonierenden Hornisten boten das berühmte Prélude aus dem »Te Deum« von M.-A. Charpentier als glanzvolles Entrée, um mit Gabriel Faurés populärer »Pavane« einen echten Ohrwurm als aparten Trialog mit dem Portamento der Orgel zu servieren. Strahlend heiter, drängend und zupackend die »Seconde Suite de Fanfares« des einstmals begehrten Starkomponisten des französischen Barocks Jean Joseph Mouret. Raffiniert und dabei konsequent auf subtile Klangwirkungen reduziert die geschickte Bearbeitung von Mussorgskis »Nacht auf dem Kahlen Berg« mit klanglich voneinander abgesetzten Hörnern. Ebenso spektakulär wie archaisch anmutend eine aktuelle Komposition von Michel Bos um das Auffinden eines längst vergessenen Olifanten (Signalhorn) aus heroischen Zeiten. Alles in allem: ein prachtvoller Auftakt des Orgelfestivals!

sh:z | FT | Detlef Bielefeld | 11. Juni 2013