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Von Bach bis U2:

Lettische Charme- und Vokaloffensive


»Latvian Voices« trafen in der Nikolai-Kirche auf die »Norddeutsche Sinfonietta« und begeisterten das Publikum

Was für ein Auftritt! Sieben schöne Frauen, den geflochtenen Zopf auf der rechten Schulter, in lange schwarz-gelbe Kleider gewandet, schreiten von hinten durch den Mittelgang nach vorn zum Altarraum der Nikolaikirche. Das Publikum ist noch ganz gebannt von den letzten zarten Klängen des berühmten Adagio for Strings, die gerade noch in der kühlen Luft des Kirchenschiffs schwebten.

Genau die richtige Balance aus Feingefühl und sanfter Kraft hat die Norddeutsche Sinfonietta für dieses berühmte kleine Werk des amerikanischen Komponisten Samuel Barber gefunden.




Großes Finale: Zum Schluss spielten und sangen das schwarzgelbe
Septett und die Sinfonietta gemeinsam. Foto: Braasch

Und nach dem Adagio aus den USA die sieben wunderbaren Stimmen aus Lettland, die »Latvian Voices« – eine vokalästhetische Offenbarung. Lieder wie »Rutoj Saule« oder »Saulit Velu Vakara« klingen geheimnisvoll und fremd, die Harmonien wirken aber vertraut, und die Stimmen sind der reine Wohlklang. Das Septett, das erst im Juli 2012 »Champions of the World« bei den Chorfestspielen in Cincinatti/USA wurde, kommt nicht als statischer Minichor daher, sondern untermalt seinen Gesang durch Choreographien und nutzt dafür geschickt die Stufen zum Altarraum. Das Repertoire des Abends reicht von traditionellen lettischen Liedern über eine Bach-Adaption bis hin zu Popsongs wie »I still haven’t found« von U2 – nicht so gelungen – und Seals »Kiss from a Rose« (schon viel besser). Für jeden, der die sieben Frauen noch nicht kannte, waren sie sicherlich eine große Entdeckung. Die Streicher der Norddeutschen Sinfonietta wussten mit der sehr gefälligen Serenade op. 22 von Antonin Dvorak zu überzeugen, vor allem im schwungvollen Walzer und im zart akzentuierten Larghetto, während das Moderato etwas zu wörtlich genommen wurde. Mit dem »Frühling« aus Vivaldis »Vier Jahreszeiten« und Niko Dammann an der Sologeige bemühte sich das von Christian Gayed geleitete Kammerorchester gegen die winterlichen Temperaturen und die schwierige Akustik anzuspielen. Etwas mehr Biss im Allegro hätte der Interpretation vielleicht gut getan. Ganz zum Schluss fanden die Streicher und die Sängerinnen bei dem lettischen Lied »Dindaru Dandaru« zusammen und lösten damit einen ebenso langen wie verdienten Applaus aus.

sh:z | FT | Joachim Pohl | 19. Februar 2013