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Zwei Chöre in französischer Klangpracht

Eine opulente Sache war es allemal – zwei Chöre, die sich vor dem Altar der St.-Nikolai-Kirche zu Flensburg aufgebaut hatten gegenüber dem prachtvollen Orgelprospekt und dazwischen die vielen Zuhörer, die sich an französischer Klangpracht berauschen wollten, der Großartigkeit, Klangsinnlichkeit und Suggestivkraft, die dieser liturgischen Musik zu Grunde liegt.

Der Zusammenschluss der Nikolai-Chöre aus Flensburg und Eckernförde erwies sich als Glücksgriff unter der kompetenten Leitung von KMD Katja Kanowski, die mit weit ausholenden, eleganten Gesten ihre Heerscharen dirigierte. Vom harmonisch-verhaltenen Beginn, dem gewaltig aufbrausenden Fortissimo des 150. Psalms von César Franck (1822-1890) und der kurzen »Messe solenelle« von Charles-Maria Widor(1845-1937), für die vier Bariton-Herren aus dem Chor des Landesttheaters zur Verstärkung herbeigeeilt waren, bis zum verhauchenden Piano im »Agnus Dei«, der Chor meisterte engagiert alle Herausforderungen und hatte seine größten Momente in den ganz leisen Tönen.

Zum Schluss erbebte die Nikolaikirche

Das Fernwerk der großen Woehl-Orgel unterstützte als wichtige »Chor-Orgel« die Sänger, während KMD Michael Mages auf der Hauptorgel in symphonischer Klangfülle schwelgen durfte. Für die »Beatitudes«, die Seligpreisungen von Arvo Pärt (*1935) bildete die Orgel ein dunkles Fundament, auf dem der Chor seine an Gregorianik gemahnenden, kontemplativen Mönchsgesänge aufbaute. Noch verhaltener, einem Schleier zartester Klangfarben gleich – die Improvisationen von KMD Mages. Im gewollten Kontrast zur Überfülle der Orgel-Romantik baute sich über einer dahin schwebenden Cantilene langsam ein alles überflutender Klangfarbenrausch auf – zum Orgel-Genuss pur. Das »Adoro te« von Gaston Litaize (1909-1991) – sehr schön zelebriert als alter Kirchen-Gesang in sanft modernem Gewand. Zum Schluss erbebte die Nikolaikirche bei Jean Langlais (1907-1991) »Te deum« mit Pauken und Trompete, geballter Sängerkraft und überwältigendem Orgelgebraus. Einfach prächtig!

sh:z | FT | Ursula Raddatz | 6. November 2012