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Fenster von Sankt Nikolai erzählen Stadtgeschichte

Buch erklärt Wappenfenster und Glockenspiel der Kirche / Spenden für Südkapelle benötigt

Die Mittagssonne fiel am Sonnabend durch das Wappenfenster in der Südkapelle der St. Nikolai-Kirche. Löwen und Hirsche, Ähren und Lebensbaum, Dreimaster, Möwe und Maurerkelle erstrahlten gelb, rot, grün, weiß und blau – ein prächtig buntes Farbenspiel.

Im Inneren der Kirche präsentierten Pastor Thomas Bornemann und Kirchenkreisarchivar Dieter Pust vor dem restaurierten Schmuckstück – und 60 Jahre nach seiner Fertigstellung 1952 – ein Buch zu seiner Entstehung. Dabei wurden 30 der 54 mit den Symbolen dargestellten Flensburger Handwerker-, Kaufmanns- und Bürgerfamilien durch heute lebende Mitglieder vertreten.

In seinem Buch erklärt Pust die Wappen und erzählt kurz die Geschichten der Familien, die der Kirche das Fenster stifteten. Ebenfalls Gegenstand der Veröffentlichung: Das Glockenspiel im Turm, das genauso von Flensburger Bürgerfamilien gestiftet wurde. Pust erklärte: »Ohne Lokalpatriotismus: Wir haben hier zwei richtige Besonderheiten.« Weder ein Kirchenfenster mit »einer solchen Fülle« von Familienwappen noch ein größeres Glockenspiel habe er deutschlandweit gefunden.

Die Idee für ein Wappenfenster hatte 1940 Pastor Heinrich Kähler. Kurz vor seinem Tod veranlasste er die Neugestaltung des Fensters, »das ein geistiges Band um alle Familien, um Handwerker und Bürger von St. Nikolai knüpfen sollte.« Die so verbundenen, wappengebenden Familien sind in Flensburg teilweise bis ins 17. Jahrhundert nachgewiesen und stehen für immer noch renommierte Unternehmen, Personen und Marken: Berking (»Robbe & Berking«), Grün (»Hansen Präsident«), Höft (Bauunternehmen), Delfs (Schauspielerin Renate Delfs), Mau (»Mau und Andresen«), Thomsen (»Fröbelhaus«), Dethleffsen (»Bommerlunder«).

Mit Blick auf den Entstehungszeitraum verschwiegen Pust und Bornemann aber auch einen »Braun-Stich« des bunten Fensters nicht, setzten es in den Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Gemeinschaftsideologie. Bornemann: »Es steckt eine heftige Portion Geschichte des 20. Jahrhunderts in dem Fenster.« Die Wappen selbst zeigten aber keine konkreten Bezüge zur nationalsozialistischen Ideologie.

Nach der Restaurierung des Fensters sorgt sich der Pastor jetzt um die Südkapelle. Für Sanierungsarbeiten (Wände, Boden Heizung) braucht die Gemeinde 31 000 Euro und bittet um Spenden. »Dann kann die Kapelle wieder vielfältig genutzt werden und das Wappenfenster hat wieder einen würdigen Rahmen.« Das Buch »Das Wappenfenster und das Glockenspiel der St. Nikolai-Kirche zu Flensburg – Eine Spurensuche« kann im Kirchenbüro und bei Veranstaltungen in St. Nikolai für fünf Euro erworben werden. Das Wappenfenster ist ab sofort Gegenstand der Kirchenführungen. Informationen zum Glockenspiel gibt es bei den Turmführungen.

sh:z | FT | Steffen Kahl | 15. Mai 2012