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Franz Schubert in all seinen Facetten
Franz Schubert, wie er unterschiedlicher kaum sein könnte, präsentierte am Sonntag Nachmittag KMD Michael Mages und sein hochmotivierter Chor in der Flensburger St. Nikolai-Kirche. Ihm zur Seite standen zudem das bewährte Ensemble »Ars Musica« und ein homogen agierendes Solisten-Team.

Schubert, der Jugendliche, der Symphonische und der Religiöse - drei Facetten eines Ausnahme-Komponisten versprachen ein äußerst interessantes Konzert. Schubert selbst hat wohl seine große »Messe in Es-Dur« nie in einer Aufführung erleben dürfen, er starb er kurz nach der Vollendung. Sehr eigenwillig und oft gegen jede Tradition stellt Schubert vor allem den Chor vor extreme Herausforderungen, der die zahlreichen Wechsel zwischen homophonen und polyphonen Abschnitten und den ausufernden Fugen in Gloria und Credo mit Bravour meisterte. Ob flehendes Kyrie, ob sich dramatisch zuspitzendes Credo als das wichtigste Element dieser Messe unter Michael Mages einfühlsamer Leitung. Mages dirigierte mit leichter Hand und ließ mit seinen »himmlischen Heerscharen« in Chor, Solisten und Orchester, Schuberts tiefe, bereits jenseitig wirkende Emotionen hör- und spürbar werden.

Ganz anders zeigte sich der Beginn des Konzertes mit dem fröhlich-festlichen »Magnificat«, Schuberts Jugendwerk- mit heiterem Jubel noch ein wenig an Mozart erinnernd. Die Solisten setzten die Glanzlichter, allen voran Marret Winger, Sopran, die der Seele in engelsgleichen Höhen Ausdruck verlieh und von Manuela Mach, Alt, Nicholas Smith, Tenor, und Gustav Wilkens, Tenor, harmonisch umrahmt wurde; der volltönende Bass von Jonathan de la Paz Zaens kam erst in der Es-Dur-Messe zum Einsatz.

Schuberts Interpretation von Weltschmerz und Gebrochenheit, von volksliedhaften Elementen durchzogen, das ist die Sinfonie in h-moll, die so genannte »Unvollendete«. Sie wirft immer wieder Fragen auf mit all ihren Brüchen und Tonartwechseln, Sehnsucht, Wehmut und der Ahnung vom Beginn einer neuen Zeit. Beinahe durchsichtig und doch eindringlich-ausdrucksstark ließ das engagiert aufspielende Ensemble »Ars Musica« Schuberts populäres Werk neu und frisch erstehen. Lang anhaltender Applaus für ein außergewöhnliches Konzert.

sh:z | FT | Ursula Raddatz | 2. Mai 2012