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Mystische Klangbilder bei flottem Kirchen-Crossover

Richard Wester traf in St. Nikolai auf Harald Haugaard und Helene Blum / Mages improvisierte bravourös

Das dänische Musikerpaar Helene Blum und Harald Haugaard verbindet man in Flensburg intuitiv mit Folk-Baltica – und das zu Recht. Auch in diesem Jahr sind die schöne Sängerin und ihr geigender Gatte wieder dabei. »Entdeckt« wurde sie jedoch vor einigen Jahren von Richard Wester, der sie bei seiner Nacht der Lieder als Entdeckung präsentierte. Im neuen deutsch-dänischen Crossover-Projekt »Northern Mystics« spielen sie zu dritt, ergänzt und bereichert durch die schottische, hier lebende Cellistin Jane Weatherhogg, den dänischen Gitarristen Mikkel Grue und den Nikolai-Organisten Michael Mages, mit dem Wester zuvor auch schon gespielt hat.

Mystisch begann das Konzert in der voll besetzten Nikolai-Kirche mit einem Duo aus Gesang und Saxophon und mittelalterlichen Klängen von Hildegard von Bingen. In den folgenden zwölf Stücken präsentierte sich das Ensemble in wechselnden Kombinationen, wobei vorn im Altarraum zwangsläufig nur ein Quintett zu sehen war, während Mages seinen Beitrag von der Orgel-Empore leistete – zum Beispiel in einer ausgiebigen Improvisationen, mit der er die unvergleichlichen klanglichen Möglichkeiten der großen Woehl-Orgel demonstrierte. Sehr schön und bewegend folgte mit »Sorrig og glæde« ein Duett aus Orgel und Gesang; dabei leistete die Sängerin dem Organisten Gesellschaft auf der Empore. Etwas irritierend, dass der (verstärkte) Gesang trotzdem von vorn kam.

Während Richard Wester mit seinen Kompositionen wie »Dancing Spirits«, »Little Symphony« oder »Mental Journey« emotionale Klanggedichte beisteuerte, legte Harald Haugaard den Schwerpunkt auf tänzerische, folkige Aspekte, wie zu Beginn in »Vesterland« und später in »Tokyo Thoughts«. In seinem unbegleiteten Solo zeigte er seine wahre Meisterschaft; Haugaard ist kein Folk-Fiddler, sondern ein großer Könner mit einem thematischen Schwerpunkt beim Folk. Das Publikum reagierte euphorisch.

Als kleine musikalische Schmuckstücke zelebrierte das Ensemble zwei Stücke aus der Notensammlung des Faaborgers Rasmus Storm von 1760. »Tynd Kafé«, gespielt auf der Empore, geriet den Musikern mit einer wunderbaren Helene Blum zu einem herrlich beschwingten Schlusspunkt – der natürlich eine Zugabe nach sich zog.

sh:z | FT | Joachim Pohl | 27. Februar 2012