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Nach »Wackler« in himmlische Höhen gesteigert
Als »größtes musikalisches Kunstwerk aller Zeiten und Völker« bezeichnete im Jahre 1819 der Verleger Nägeli den Erstdruck der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Der großen Schwierigkeiten des Werkes wegen kam es erst 1834/35 zu Teilaufführungen. In der vollbesetzten St. Nikolai-Kirche zu Flensburg schien der große Sankt Nikolai Chor unter der kompetenten Leitung von KMD Michael Mages am Sonntag Abend gehörige Achtung vor diesem Unikat zu haben. Nach einem kleinen »Wackler« zu Beginn des »Kyrie« fanden die Sänger aber sehr schnell zu einer homogenen, präzisen Form, die sich im Laufe des Abends noch steigerte. Die kräftigen Männerstimmen und die »himmlischen Höhen« des Soprans auf der klaren Grundlage des Alt bewältigten beinahe mühelos die verzwickten Fugato-Einsätze. Auch wenn der Attaca-Übergang vom »Crucifixus« zum »Et resurrexit« ein wenig verschenkt wurde, so gelang wunderschön der sanft-getragene Adagio-Teil des »Confiteor« mit anschließendem Vivace e allegro in doppeltem Tempo – bis zum Fortissimo gesteigert. Die Tempo- und Farbschattierungen von kontemplativem Ernst über feierliche Engels-Chöre bis hin zum überbordenden Auferstehungs-Jubel: Der Chor, das tragende Element in dieser Messe, zeigte durchweg eine beeindruckende Leistung.

Anders als im ebenso beliebten Weihnachts-Oratorium war der Einsatz des Solisten-Quartetts eher begrenzt. Keine großen Arien kamen zu Gehör, sondern ungewöhnliche Duette, oft in Kombination mit Instrumental-Solisten; so das warme Bass-Solo von Felix Rathgeber, umrahmt vom hell-fordenden Klang des Corno da caccia mit Jan-Christoph Semmler oder Martin Hundelt im Tenor-Solo mit der gegenläufigen Solo-Querflöte von Christiane Schmidbauer. Brillant Matthias Sitzwohls feines, flottes Violin-Solo, ebenso die beiden Oboen d’amore, zauberisch-schmeichelnd geführt von Enrico Raphaelis und Birgit Graetz. Solo-Sopranistin Martina Schilling, kurzfristig eingesprungen für Antje Bitterlich, überzeugte durch eine engelsgleiche, kristall-klare Stimme. Den berührendsten Part hatte ohne Zweifel Altistin Manuela Mach mit dem ergreifenden »Agnus Dei-Solo«. Die nötige Grundlage für dieses komplexe Vorzeigestück bot das spielfreudige Ensemble »Ars Musica«, und Michael Mages hielt dabei hochmotiviert die Zügel straff in seinen bewährten Händen.

sh:z | FT | Ursula Raddatz | 15. November 2011