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Überwältigender Hörgenuss an der Woehl-Orgel
Er zieht alle Register, Maitre Daniel Roth – die der außergewöhnlichen Woehl-Orgel von Flensburgs St. Nikolaikirche ebenso wie die seines überragenden Könnens. Zwei Jahre nach der spektakulären Einweihung dieser Orgel kam mit Daniel Roth einer der renommiertesten Orgelvirtuosen unserer Zeit als Leiter eines internationalen Meisterkurses wieder in unsere Stadt. Natürlich gönnte er sich und den zahlreich erschienenen Zuhörern den Genuss eines Abschlusskonzertes.

Das Programm passt zu Daniel Roth und es passt zu dieser Orgel, erklärte Hausherr KMD Michael Mages zu Beginn in einer kleinen Ansprache, ist es doch ein repräsentativer Streifzug durch das hochromantische Repertoire französischer Orgelliteratur. Mit Camille Saint-Saens »Improvisation Nr. 7« und »Präludium und Fuge in H-Dur« erlebte das Auditorium einen exquisit-kraftvollen Beginn, der sanft in den Spärenklängen des Fernwerks verhauchte. Cesar Franck, er ist maßgeblich am Wiederaufstieg französischer Orgelkompositionen beteiligt, wirkte in seiner »Fantaisie in A« duftig leicht bis hochdramatisch, während bei Charles Tournemires Improvisation über »Ave Maris Stella« die gregorianischen Meereswellen sich hoch auftürmten und in leisem Säuseln der Wind darüber hinweg strich und Glockenschlag hallte bei Maurice Durufles »Scherzo« durch das weite Kirchenschiff. Aus eigener Feder präsentierte Daniel Roth einen Teil aus seinem »Livre d'orgue pour le Magnificat«:

Wie ein farbiges Gemälde wirkten die Klangschattierungen, zartes Pastell im Pianissimo veränderte sich allmählich zu hell aufstrahlenden Crescendi und gipfelten in einem furiosen Finale, das scheinbar nur zögernd verhallte.

Marcel Dupres »Präludium und Fuge in As-Dur« kam bei Daniel Roth beinahe modern, feinsinnig und ein wenig fetzig daher. In der von KMD Mages vorgegebenen, abschließenden Interpretation über den Choral »Komm Gott, Schöpfer, heiliger Geist«, wurde noch einmal die ganze Genialität Roths deutlich: Eine verblüffende Mischung aus Gregorianik, elegisch-jenseitigem Raunen, Choral-Anklängen, machtvollstem Plenum und überraschenden Schluss-Akkorden sorgte für einen überwältigenden Hörgenuss. Nicht enden wollender Applaus für einen souveränen Meister der Orgel.

sh:z | FT | Ursula Raddatz | 11. November 2011