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Vom Barock zur Klassik:
Bach und Mozart in Sankt Nikolai Flensburg


Die Kombination kirchenmusikalischer Werke von Bach und Mozart entbehrt nicht eines gewissen Reizes, lässt sich doch gerade im direkten Vergleich die gewaltige Entwicklung der Musik vom Barock zur Klassik im 18. Jahrhundert unmittelbar nachvollziehen. Michael Mages, sein St.-Nikolai-Chor, das bewährte Ensemble Ars Musica nebst vier Vokalsolisten stellten sich der Herausforderung in der bestens besuchten St.-Nikolaikirche, wobei Altmeister Bach den überzeugenderen Eindruck hinterließ. Das mag einerseits daran gelegen haben, dass das unvollendet gebliebene Mozart-Requiem mit den bekannten Süßmeyer-Ergänzungen ohnehin zum Ende hin etliche weniger kongeniale Teile aufweist, die die kompositorische Ungleichwertigkeit des Werkes evident erscheinen lassen. Zum anderen setzten Mages und seine klangmächtigen Ensembles zunehmend auf dramatische Attacke, forcierten Tempi wie Dynamik, sodass das finale »lux perpetua luceat eis« als grimmiges Eingeständnis menschlicher Hilflosigkeit vor der Macht des Todes daherkam.

Aus dem permanent geforderten Vokalquartett (Manuela Mach, Alt; Martin Hundelt, Tenor und Julian Redlin, Bass) ragte der stets sauber fokussierte, aufblühende Sopran Marret Wingers heraus, der für Mozart wie Bach reiche Farben und detaillierte Abstufungen bereit hielt.

Bachs groß angelegte Kantate »Ich hatte viel Bekümmernis« glänzt mit einem ausgesprochen repräsentativen Charakter und weiß Effekte und Formen des Opernmetiers geschickt zu nutzen. Das anrührende Lamento der Solooboe (sehr edel: Birgit Graetz) in der einleitenden Sinfonia, der Motto-hafte Einsatz des Chores, die vertrackten Fugati nebst spannungsvollen Akkord-Interjektionen: All dies ließ bei moderaten Tempi und durchhörbarem Satzgefüge die erregte Spannung dieser musiktheatralischen Bibelauslegung spürbar werden. Das originelle Gespräch der »verzagten Seele mit dem tröstenden Christus« (Sopran und Bass) hatte viel von einem recht diesseitigen Dialog mit gelindem Wortwitz dialektischer Manier. Zum optimistischen Beschluss triumphales Pauken- und Trompetengeschmetter zur Ehre Gottes – hinweg also mit jedweder Bekümmernis!

sh:z | FT | Detlef Bielefeld | 5. April 2011