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Japans Katastrophe: Mahnwache vor St. Nikolai

Rund 400 Flensburger auf dem Südermarkt / Pastor: Atomkraft die Gefährdung des Lebens schlechthin

Mahnen und Gedenken – wie in 700 anderen Orten bundesweit führte die japanische Katastrophe auch die Menschen in Flensburg zusammen. Rund 400 Teilnehmer kamen gestern Abend zum Südermarkt, um der Opfer des Erdbebens und seiner Folgen zu gedenken.

Für Thomas Bornemann ein symbolischer Ort. Der große Turm von St. Nikolai – für den Pastor ein Zeichen, das die Menschen eint. Als er gebeten wurde, als Redner zur Mahnwache zu kommen, sei ihm die Vorbereitung nicht leicht gefallen, bekannte Bornemann. Schlechte Nachrichten, die kein Ende nehmen. Nachrichten, die Furcht machen. Und so lenkte Bornemann den Blick zunächst auf Hunderttausende, die in Japan ohne Obdach sind, die Freunde, Partner, Familie, »die so unendlich viel verloren haben«, er wies auf die wahrscheinlich Zehntausenden von Toten und auf die Handvoll Menschen, die im Angesicht des atomaren Feuers des außer Kontrolle geratenen Kraftwerks ihr Leben opfern. Fukushima führe sehr unmissverständlich und sehr schmerzlich vor Augen, dass es das beherrschbare Restrisiko nicht gibt, so Bornemann. »Nicht das Unwahrscheinliche – das Mögliche ist wahr geworden, wenn Menschen mit dem atomaren Feuer spielen. Die Ereignisse zeigten die Atomkraft als Gefährdung des Lebens schlechthin. Und wir sehen, diese Gefährdung ist nicht diskutierbar. Sie ist real.« Bornemann rief zur Umkehr, zum Ausstieg auf. Es könne nicht bei einem Moratorium und anschließendem »Weiter so!« bleiben. Deutschland verfüge über die Kompetenz, die Energiewende zu vollziehen. »Wir können in der Welt ein Beispiel geben.«

Eine dankbare Vorlage für Emöke Kovac, Wirtschaftsingenieurin der Initiative Klimapakt Flensburg. Vor 25 Jahren, nach der Katastrophe von Tschernobyl, habe sich niemand vorstellen können, das ein Anteil regenerativer Energien von 16 Prozent möglich sein würde. Heute sei denkbar, den Ausstieg bereits 2015 zu schaffen. Allein durch Energiesparen sei der Anteil des Atomstroms zu kompensieren. Als Tschernobyl explodierte, habe sie ihre Mutter gefragt, wie die Menschheit so etwas habe zulassen können. »Ich möchte, dass meine und ihre Kinder uns dereinst fragen werden, wie wir diese Energiewende eingeleitet haben.«

sh:z | FT | Holger Ohlsen | 22. März 2011