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Brass mit Spaß: Brillantes Blech zum Angewöhnen

Wohlklang und Virtuosität: Quintett »Harmonic Brass« überzeugte in fast ausverkaufter Nikolaikirche Flensburg

Wer keine Lust auf ausladende Symphonien und anstrengende Klavierkonzerte hat, aber trotzdem klassische Musik live hören möchte, dem sei ein Einstieg mit Blech empfohlen. Die Nikolaikirche war am Sonnabend fast ausverkauft, als fünf wahre Könner ihres Metiers dem hohen Norden erstmals ihre Aufwartung machten: »Harmonic Brass« eroberte das Flensburger Publikum im Sturm.

Mit Henry Purcells »Trumpet Voluntary« schritten die fünf Befrackten durch den Mittelgang zum Altar, bevor sie mit einem fein abgestimmten Programm aus populärer Klassik und eher selten gehörten Schmankerln für 90 kurzweilige Minuten sorgten. Feierlich und gemessen, doch nicht ohne Herausforderungen für die Trompete kam die »Suite de Fanfares« des französischen Barockmeister Jean-Joseph Mouret daher. Im Kontrast dazu der berühmte Bach-Choral »Jesu bleibet meine Freude«. Eigentlich passt die Akustik des großen Nikolai-Kirchenschiffs gut zu dem satten, voluminösen Klang der Blechbläser. Doch die Feinheiten rasanter Trompetenläufe gehen da schon mal verloren – aber was soll’s: Der Gesamteindruck passt.

Eigentlich ist Bachs Toccata samt Fuge in d-moll eine Domäne der Orgel, ein Zentralwerk der gesamten Orgelliteratur. Doch Hans Zellners Bearbeitung für das Quintett ist durchaus vorzeigbar und zeigte die ganze Meisterschaft der fünf gestandenen Bläser. »Nach all den sechzehntel Noten«, so Hornist Andreas Binder in seiner launig-informativen Moderation, gab es zur Erholung der Musiker und des Publikums eine Arie aus Händels »Xerxes«, doch mit der »Königin von Saba« wurde das Tempo dann wieder deutlich forciert, und viele Füße wippten mit – Brass macht eben Spaß. Später verteilten sich die Musiker im Kirchenschiff, um venezianische Mehrchörigkeit zu demonstrieren; danach ging es auf die Orgelempore, wo sie zusammen mit Nikolai-Organist Michael Mages Händels »Zadok the Priest« interpretierten. Mages hatte zuvor mit Auszügen aus Léon Boëllmanns »Suite gothique« nicht zuletzt die Qualitäten der Woehl-Orgel eindrucksvoll demonstriert. Geschmeidig und virtuos, rasant und mitreißend schickten die fünf famosen Brassisten das Publikum mit drei Sätzen aus Bizets »Suite arlesienne« auf den Heimweg.

sh:z | FT | Joachim Pohl | 7. Februar 2011