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Weihnachtsmusik mit romantisch verklärter Frömmigkeit

Kirchenmusik zur Weihnachtszeit einmal anders: In der Nikolai-Kirche wurde es idyllisch-sentimental. Weitab von Bach und seiner barocken Festlichkeit kam reinste Romantik zum Tragen. Wohl die Freude an der Wiederentdeckung ließ KMD Michael Mages mit seinem Sankt-Nikolai-Chor das fast vergessene Werk »Der Stern zu Bethlehem« von Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901) einstudieren. Mit sicht- und hörbarem Vergnügen intonierte der gut aufgelegte, homogene Chor dieses emotionsgeladene Stück. Zuvor war die Weihnachtskantate »Vom Himmel hoch« von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) noch nahe an der Bach'schen Tradition mit Pauken und Trompeten, grandioser Feierlichkeit und festlichem Jubel dahergekommen. Das bewährte Ensemble Ars Musica konnte hier wie auch da sein klangliches Potential mit viel Verve präsentieren.

Rheinbergers »Stern zu Bethlehem« entführte dann direkt in die Spätromantik. Der Komponist, Hofkapellmeister des bayerischen Königs Ludwig II., hatte sicher ein der geschnitzten alpenländischen Weihnachtskrippen vor Augen, als er die sentimentale Dichtung seiner Ehefrau Fanny von Hofnaaß vertonte. Rheinberger verstand sein Handwerk und spielte gekonnt auf der Klaviatur der versöhnlich-liebevollen Gefühle; geradezu bildhaft ist seine detailversessene Komposition. Unwiderstehlich das Leitmotiv, da geht ein Stern auf, von Chor und Orchester mit großer Strahlkraft imaginiert. Hingebungsvoll schwelgen Chor, Solisten und Orchester in lyrischer, pastoraler Frömmigkeit, und das Solisten-Ensemble darf sich vor diesem beschaulichen Hintergrund wirkungsvoll präsentieren. Marret Wingers heller, warmer Sopran überzeugte besonders in Marias Wiegenlied, Ansgar Hünings wohlklingender Bariton, Markus Wessiaks sonorer Bass und Wojciech Zyffert (Tenor) glänzten in ihren Soli und verkörperten die drei Könige mit Grandezza und biedermeierlich angehauchtem Pomp.

Und einmal mehr ließ der Chor den Stern erstrahlen, fast greifbar nahe rückten die Hirten auf dem Feld, die Kamelkarawane und der Stall zu Bethlehem. Der letzte Satz nahm das Anfangsthema noch einmal auf, um dann völlig überraschend in einer strahlenden Fuge zu enden. Da wurde dann aus romantischer Sentimentalität letztlich doch noch barockes Weihnachts-Gepränge. Ein gelungene Wiederentdeckung oder allzu viel Glückseligkeit? Die Musik zur Weihnachtszeit bietet zum Glück viel Raum für mannigfaltige Ausdrucksmöglichkeiten.

sh:z | FT | Ursula Raddatz | 14. Dezember 2010