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Johannes-Passion mit resignativer Grundstimmung

Der 325. Geburtstag Johann Sebastian Bachs zeitigte in Flensburg erstaunliche Wirkung: Gleich drei Kantoren ehrten den Thomaskantor mit der Aufführung eines seiner Oratorien – sinnigerweise alle zur gleichen Zeit, so dass der engagierte Musikfreund sich notgedrungen für eine der Aufführungen zu entscheiden hatte.

In diesem Falle ist also von der Johannes-Passion BWV 245 zu reden, die Michael Mages mit seinem Sankt Nikolai Chor und dem Ensemble Ars Musica im akustisch nicht unproblematischen Altarraum von St. Nikolai aufführte. Und er überraschte mit einer für ihn ungewohnten Sichtweise: Das lyrisch-meditative Element dominierte diesmal, dramatische Schärfen und Attacken wirkten entschärft, die meisten Tempi waren stark zurückgenommen, die sonst für die Johannes-Passion so typische Erregung der Turba-Chöre kam gedämpft und fast gelassen daher. Gelegentliche Unschärfen und rhythmisch verzögerte Einsätze verstärkten das Hörbild: Die Innenspannung war einer fast resignativen Betrachtungsweise gewichen, was weitgehend in den Arien und Ariosi seine Entsprechung fand.

Martin Hundelt gab einen neutralen Evangelisten, tonschön und textverständlich, der sich expressiver Gemütsbewegungen konsequent enthielt. Manuela Mach wusste vor allem in ihrer zweiten Arie den Tod Jesu mit ausmodulierten und tief empfundenen Kantilenen zu kommentieren, was den lyrischen Fokus dieser Aufführung einmal mehr betonte. Antje Bitterlichs seraphische Sopranstimme hat zwischenzeitlich im Kern zugelegt, verfügt aber noch immer über ihren zartlyrischen Silberglanz, der in ihren beiden sorgsam gestalteten Arien eine Aura entspannter Jenseitigkeit imaginierte. Lediglich Thomas Peter mit modulationsfähigem, kernig-virilen Bass widmete sich mehr den musiktheatralisch-dramatischen Elementen der Bach’schen Partitur. Er präsentierte eine bravourös changierende Sicht auf das grausige Passionsgeschehen zwischen strömend-ariosen Kantilenen, pointierter Wortdeklamation und präziser, emotional geprägte Agitation – effektvolle Kontrastwirkung zur sonst kontemplativen Grundstimmung dieser Aufführung.

sh:z | FT | Detlef Bielefeld | 23. März 2010