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Die unbegrenzten Möglichkeiten der neuen Woehl-Orgel

Star des Abends war erwartungsgemäß die neue Orgel der St. Nikolaikirche zu Flensburg. Wie es zur Orgelweihe schon namhafte Kollegen vor ihm taten, erwies nun Arvid Gast (von 1990 bis 1993 Organist an eben dieser Kirche) der Königin der Instrumente seine Reverenz. Seine Begeisterung, die Möglichkeiten der neuen Woehl-Orgel ausreizen zu können, wurde vom ersten Akkord an spürbar.

Mit einer frisch-fröhlich dahinperlenden Toccata in F von Dietrich Buxtehude eröffnete er an der historisch-barocken Schnitger-Orgel das Konzert. Auf verwinkeltem Weg ging's dann hinunter zum modernen Spieltisch der symphonischen Orgel, während im Chorraum das Schleswig-Holstein-Sinfonieorchester darauf wartete, mit der Orgel in einen musikalischen Dialog treten zu dürfen – in Francis Poulencs (1899-1963) Konzert für Orgel, Streichorchester und Pauken. Unter der Gesamtleitung von Hausherr Michael Mages übernahm die Orgel stellenweise den Part eines gewaltigen Blasinstrumentes, das sich dem Streicherorchester gegenüberstellte. Verschmolzen aber beide Klangkomponenten miteinander, kämpften die Streicher meist vergebens gegen den Sog der nebulösen Akustik des Chorraumes an, wirkten selbst die Pauken wie ein Echo ihrer selbst. Die Farbigkeit der sieben voneinander abgesetzten, scharf akzentuierten Sätze ging so leider oft verloren.

Seine Virtuosität zeigte Gast nochmals an der Schnitger-Orgel: Mit Bachs Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur präsentierte er eine der großartigsten Pedalpassagen der Orgelliteratur.

Marco Enrico Bossi (1865-1925) fügt in seinem Konzert a-moll op. 100 den Streichern nebst Pauken vier Hörner hinzu. Erneut wurde ein Dialog mit der symphonischen Orgel um ein Choral-Thema aufgebaut, das sich als »idée fixe« durch das Werk zieht. Spannungsgeladen im kraftvollen Forte-Zugriff zu Beginn, mit dunkel-dräuenden Hörnern, lyrisch-heiter im Mittelteil, wirkte dieses Thema in der Schlussphase fast atomisiert, um dann beim Final-Tutti in den grandiosen Schlussakkorden wiederzukehren.

sh:z | FT | Ursula Raddatz | 24. November 2009