Start A-Z Aktuell Kontakt Gemeinde Die Kirche Orgel Konfirmanden Gottesdienste Kirchenmusik Links


Verhaltener Jubel, gewaltige Klanggebirge, polyphones Gewebe

Die Sterblichkeit des Menschen als übergeordnetes Konzert-Thema: Konfessionsübergreifend begann der Gang durch vier Jahrhunderte Musikgeschichte mit der klein besetzten »Cappella Sankt Nikolai« im Altarraum. Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) erklang in verhaltenem Jubel, sein »Jauchzet dem Herrn alle Welt« strahlte gelassene, heitere Zuversicht aus, im Vertrauen auf einen freundlichen Herrn und Gott. Dagegen setzte der Chor die Gradlinigkeit des Frühbarocks mit Johann Hermann Schein (1586-1630). Der Zeitgenosse von Heinrich Schütz ließ in seinen einfühlsam vorgetragenen Motetten »Herr, lass meine Klage« und »Lehre uns bedenken« zum Tanz in barock-höfischer Manier aufspielen – zum Tanz mit dem Tod!

Johannes Unger, prominenter Gast-Organist, gelang mit Max Reger (1873-1916) und dessen Orgel-Phantasie über den Choral »Alle Menschen müssen sterben« ein Brückenschlag zu J. S. Bach. Zwischen Bändigung gewaltiger Klanggebirge und fein strukturierten, chromatisch-verästelten Formlabyrinthen blitzte immer wieder, wenn auch verfremdet, der Bach'sche Choral auf, ein eher selten zu hörendes Klangerlebnis, das der junge, aber bereits international erfolgreiche Organist der Marienkirche zu Lübeck mit spieltechnischer Bravour und raffinierter Registrierung im Klanguniversum der prächtigen sinfonischen Orgel eindrucksvoll gestaltete.

Maurice Duruflé (1902-1986) führt in seinem »Requiem« in eine Welt der Unschuld und des inneren Friedens. Der Chor unter Michael Mages' umsichtiger Leitung bewies sein immenses stimmliches wie stilistisches Können in der Zartheit des dreifachen Piano, aber auch in den wenigen dramatischen Fortissimo-Aufschwüngen. Der komplexe Klang des Ensembles »Ars Musica« mit seiner noblen dynamischen Zurücknahme tat ein Übriges, um im Zusammenspiel mit Orgel und Chor die Seele letztlich ins Paradies zu geleiten – eine irisierend sphärische Wanderung aus sanften Tongirlanden, polyphonem Gewebe und mystisch anmutenden Klangkonstrukten. Sanftes Hinübergleiten als unspektakulärer Abschluss eines ungewöhnlich stimmigen Konzertes.

sh:z | FT | Ursula Raddatz | 9. November 2009