Start A-Z Aktuell Kontakt Gemeinde Die Kirche Orgel Konfirmanden Gottesdienste Kirchenmusik Links


Epochales Potpourri für zwei Orgeln

Wolfgang Baumgratz beeindruckt in St. Nikolai

Musik aus drei unterschiedlichen Epochen auf zwei Orgeln in einer Kirche: das gibt es nur in Flensburgs Nikolaikirche während der Festwochen zur Orgelweihe. Wolfgang Baumgratz, Dom-Organist aus Bremen, nutzte die neuen Woehl-Orgeln in eindrücklichster Manier. Mit Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) und dessen prachtvollem Präludium und Fuge c-moll auf der symphonischen Orgel entführte er das Publikum, das den Kirchenraum bis auf dem letzten Platz gefüllt hatte, in Klangwelten der Romantik mit unüberhörbaren Anklängen an Mendelssohns großes Vorbild Johann Sebastian Bach. Prachtstrotzende barocke Töne entlockte Baumgratz dann der historischen Schnitger-Orgel mit einem Präludium in d-moll von Andreas Kneller (1649-1724), ehemals Organist an der Hauptkirche St. Petri zu Hamburg. Wieder zurück an der symphonischen Orgel präsentierte der Bremer Meister die Klassische Moderne mit Paul Hindemith (1895-1963) und dessen erster Sonate voller Schwung – immer wieder überraschend der Einsatz des Fernwerkes mit sanften Echofiguren.

Der St.-Nikolai-Chor hatte inzwischen auf der Orgelempore Aufstellung genommen und antwortete unter der Leitung von Hausherr Michael Mages mit Inbrunst dem präsenten Solo-Sopran von Marret Winger, die Felix Mendelssohn Bartholdys Hymne »Hör mein Bitten« dramatisches Leben einhauchte. Höhepunkt und Abschluss zugleich bildete die »Messe in D-Dur« op. 86 von Antonin Dvorak in der Originalfassung für Chor und Orgel. Beeindruckend, wie der St.-Nikolai-Chor diesem Werk mit dynamischen Steigerungen farbige Kontraste verlieh, im »Credo« expressiv und anrührend das Leiden Christi zum Ausdruck brachte. Die vier Solisten, Marret Winger (Sopran), Manuela Mach (Alt), Jin Hak Mon (Tenor) und Markus Wessiack (Bass) gestalteten mit fast zu viel emphatischem Nachdruck die Sätze »Benedictus« und »Agnus Dei«. Mit der Bitte um Frieden ließ der Chor engelsgleich das »dona nobis pacem« im dreifachen Piano im weiten Kirchenraum verhauchen. Eine weitere unvergessliche Facette der Orgel-Festwochen, die neugierig macht auf kommende Höhepunkte.

sh:z | FT | Ursula Raddatz | 27. Oktober 2009