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Hans-Ola Ericsson an der neuen Woehl-Orgel

Die St.-Nikolai-Kirche entwickelt sich in diesen Wochen zu einem Mekka superber Sakral-Musik: eine prächtige Phalanx international gefragter Star-Organisten und ihre außergewöhnlich spannenden Programmzusammenstellungen machen derzeit jeden Konzertbesuch zu einem suggestiven Hörabenteuer. Hans-Ola Ericsson aus Schweden bewährte sich beim jüngsten Recital als souveräner Wandler zwischen gegensätzlichen Stilwelten: schwedische Orgelmusik der frühen und späten Barockperiode präsentierte der agile Virtuose auf der klassisch-historischen Orgel, um später für Zeitgenössisches flugs an den Spieltisch des symphonischen Instruments zu wechseln.

Traditionsgebundener Barock der aus Leipzig stammenden Organisten-Familie Düben machte den Anfang: schwergewichtige, geschachtelte Polyphonie bei den ausgewanderten Brüdern Düben, luftig-heitere Tanzsuitenwelten des Sohnes nur eine Generation später. Lotete H.O.Ericsson hierbei feingesponnene Klangspektren der barocken Arp-Schnitger-Tradition sorgsam aus und wusste die Charakteristik der gewählten Einzelstimmen in ihrer Variationsbreite plastisch zu formen, so wurde man bei den Avantgardisten Sven-David Sandström und Bengt Hambraeus mit Klang- und Ausdruckswelten gänzlich anderer Art konfrontiert. Aus dem Off des Fernwerks entwickelte sich vom fast unhörbarem Pianissimo bis zum dröhnenden Fortissimo des geclusterten Plenums der Angst- und Hoffnungsschrei des »Libera me« von Sandström – dessen Umsetzung des urmenschlichen Hilfeschreis in immer wieder anschwellenden Crescendi jenseits aller verfolgbarer Tonalitätsgesetze geriet unter Ericsson kraftvoll-virtuosem Einsatz zur ekstatischen Klang-Klimax. Nicht minder bedrohlich-luzide das percussion-geschwängerte Furioso in Bengt Hambraeus’ »Nebulosa«: hier waren Affinitäten zu Messiaens unüberhörbar, Ericsson entlockte dem Woehl’schen Instrument das Ton-Spektrum jenseitiger Unbegrenztheit.

Fast konventionell-balsamisch dagegen als Abschlussstück die »Messe Solennelle« op.16 des französischen Postromantikers Louis Vierne. Ein sich in prächtigster Form präsentierender SanktNikolaiChor unter Hausherr Michael Mages alternierte in kostbarer Harmonisierung und mit wunderschöner dynamischer Differenzierung mit viril-markanten und ätherisch-raunenden Registerkombinationen, die Ericsson für Fernwerk und Symphonische Orgel wählte – unvergesslich das mystisch-abgedunkelte Piano-Finale!

sh:z | FT | Detlef Bielefeld | 6. Oktober 2009