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Die große Orgelkunst des Maitre Daniel Roth

Die neue symphonische Orgel von Gerald Woehl fordert die internationale Organistenelite geradezu heraus, die Fülle ihrer klanglichen Möglichkeiten anhand der großen symphonischen Literatur auf den Prüfstand spektakulärer Konzerterlebnisse zu stellen. Maître Daniel Roth, einer der renommiertesten Orgelvirtuosen unserer Zeit, unterzog den prächtigen Orgelneubau dem musikalischen Lakmus-Test mit einem fulminanten Streifzug durch die hochromantische Orgelliteratur französischer Tradition.

Um es vorwegzunehmen: spätestens bei seinen abschließenden Improvisationen mit genial-verwirrender Mischung aus Gregorianik, lutherischem Choral, polytonalen Rückungen und clusterähnlichen Ballungen von erfurchtsgebietender Grandeur war wohl jedem im Auditorium bewusst geworden, dass man an diesem Abend einen großen musikalischen Moment miterlebt hatte.

Dabei lotete der Orgelprofessor aus Paris über weite Strecken seines ausgesuchten Programms die eher delikat-changierenden Registerfarben in ständig wechselnden Kombinationen aus: duftig-durchsichtig die feinen Strukturierungen im feinsinnigen Scherzo von Camille Saint-Saens, abgründig-fahl der orchestrale Duktus im jenseitig-verhauchenden Finale der 4.Symphonie von Louis Vierne. Ebenso immer wieder verblüffende Höreindrücke bei Daniel Roths eigener Bearbeitung der d-Moll-Sinfonie von Cesar Franck: raunende, trauermarsch-verwandte Schreitbewegungen, klagend-süße Soloregistrierungen über grau-dumpfer Grundierung, ein sehnsüchtig-skeptisches Allegretto in schwermütigster Kolorierung.

Daniel Roth als Komponist: aus seinem »Livre d’orgue pour le Magnificat« erklang eine sonatenform-ähnliche Auswahl charaktervoller Stücke für den Gottesdienstgebrauch. Raffinierte Klangschichtungen bei nahezu freier Behandlung der Tonalität, allmähliches Crescendo von differenzierten Kleinstrukturen im Pianissimobereich bis zum machtvollsten Plenum mit spektakulären Modulationen bei den Finalakkorden: Jubel für Grandseigneur Daniel Roth und einen mit Recht strahlenden Orgelbaumeister Gerald Woehl!


sh:z
| FT | Detlef Bielefeld | 30. September 2009