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Vier Stunden berauschendes Hörerlebnis

Nach der feierlichen Einweihung musste die neue Orgel von St. Nikolai
am Abend gleich einen ersten Härtetest überstehen

Den Anfang machte Gastgeber Michael Mages mit einer eigenen, impressionistisch gefärbten Komposition auf der symphonischen Orgel. Den Nachbau der barocken Schnitger-Orgel stellte er mit Werken von Weckmann, Scheidemann und Buxtehude vor, demonstrierte deutlich den Unterschied von barockem, harmonisch-kompaktem Klangerlebnis und dem getragen-feierlichen Stil der Zeit zu den folgenden modernen Werken.

Charles-Marie Widor mit Teilen der um 1900 entstandenen »Symphonie Romane« eignete sich bestens, um das Ereignis des Abends, die Uraufführung von Hans-Joachim Marx’ für die Orgel und Mages komponierten Choral-Hymnus »Himmel, Erde, Luft und Meer«, stilvoll zu umrahmen. Marx ordnete darin jedem der bekannten Verse des Chorals eine eigene, unverkennbare Klangfarbe zu, intensiv die neuen Möglichkeiten ausschöpfend, in phantasievoller Harmonie, aber mit einem unüberhörbaren Fragezeichen am Ende: Die große Frage des Lebens ist für ihn noch nicht beantwortet.

Carl Nielsen, der große dänische Komponist, steht im Mittelpunkt des zweiten Interpreten des Abends, Peter Langberg, Leiter der Kirchenmusikschule Løgumkloster. Er huldigte Nielsen, dem Wanderer zwischen den Musikwelten, mit einigen seiner Präludien und dem letzten und einzigen größeren Orgelwerk, der »Commotio« op. 58, das er 1931 kurz vor seinem Tod in moderner Tonsprache schrieb und das schon sehr viel Jenseitiges enthält.

Cornelius Schneider-Pungs, dessen erster Orgelunterricht an St. Nikolai stattfand, umschlang geschickt die sinnlich-farbige »Canzone« von Max Reger mit Bachs Meisterwerk aus der Leipziger Zeit, dem Präludium und Fuge in c.

Matthias Janz, KMD an St. Marien, beschloss die Konzertreihe des Abends mit einer Zeitreise auf der Orgel. Sie reichte von Clérambaults barocker »Suite für den 2. Ton« mit einem bezaubernden Stückchen für die Flötenregister über Bachs verspielt-pathetische Fantasie G-Dur, Cesar Francks »Pièce heroique«, das wie eine phantasievolle Improvisation daherkommt, bis zu Olivier Messian und dessen moderner »Geburt des Herrn«, die, passend zum Motiv der Weihnachtsverkündigung auf dem Orgelprospekt, meditativ zeigte, dass Gott nun unter uns weilt. Wer es nicht scheute, sich auf vier Stunden Orgelmusik einzulassen, wurde mit einem berauschenden Hör-Erlebnis belohnt.

sh:z | FT | Ursula Raddatz | 22. September 2009