Start A-Z Aktuell Kontakt Gemeinde Die Kirche Orgel Konfirmanden Gottesdienste Kirchenmusik Links


Es ist geschafft: Die Nikolai-Orgel ist komplett

Solche Bauzeiten kennt man eigentlich eher aus dem Mittelalter: Zwölf Jahre wurde an der neuen Orgel von St. Nikolai gebaut. Jetzt ist sie fertig und wird am Sonntag geweiht. Das einzigartige Konzept dieses Instruments macht es in Verbindung mit dem historischen Prospekt zu einem großen Kunstwerk, das in Norddeutschland seinesgleichen sucht.

»Wir haben alles auf eine Karte gesetzt«, sagt Pastor Thomas Bornemann. Vor zwei Jahren, als man das 400-Jahr-Jubiläum der Orgel zu planen begann, fasste man den Entschluss, bis dahin fertig zu sein. Es gab Skeptiker, die dies nicht für möglich hielten, räumt der Pastor ein, sogar solche, die unkten, die Orgel würde ein Torso bleiben. »Ich nicht«, stellt Michael Mages klar. Der Mann, der das Orgelbauprojekt von Beginn an begleitet hat, glaubte immer daran, dass die kühne Vision des Orgelbauers Gerald Woehl eines Tages Wirklichkeit werden würde – und warum nicht im Jahr 2009?

Jetzt ist es tatsächlich soweit – »Gott und A. P. Møller sei Dank«, so Bornemann. Der dänische Großreeder Maersk McKinney Møller machte im Jahr 2008 durch eine Spende in sechsstelliger Höhe seines A.P.-Møller-Fonds die letzten Bauabschnitte finanziell möglich. Die Verbindungen zu Dänemark liegen auf der Hand: Es war der dänische König Christian IV., der 1604 beim Kopenhagener Orgelbauer Nikolaus Maaß den Bau der Orgel in Auftrag gab.

Die zurückliegenden zwölf Jahre werden in die Annalen der Nikolai-Kirche eingehen. Denn nicht nur die Orgel musste erneuert werden. Auch der Prospekt, also die reich verzierte Schauseite mit ihren Figuren, Bildern und Ornamenten, war reif für eine Überarbeitung. Die Restauratorin Heike Binger war hier jahrelang im Einsatz. Und um der neuen Orgel eine lange Lebensdauer zu ermöglichen, mussten die klimatischen Bedingungen im Kirchenschiff verbessert werden. Das hieß: neue Heizung, neue Fenster, neue Lüftung.

Es war klar, dass eine Kirchengemeinde diese multiple Aufgabe finanziell nicht bewältigen kann. Auch für den Kirchenkreis war dieses Projekt einige Nummern zu groß. Zwar konnten öffentliche Zuschüsse eingeworben werden, vor allem für die Restaurierung des Prospektes. Um den Orgelbau zu ermöglichen, wurde schon Jahre vor Baubeginn der Orgelbauverein St. Nikolai gegründet, der über die Jahre durch etliche kreative Aktionen, aber vor allem durch gezielte Ansprache von Einzelsponsoren eine Summe von über einer Million Euro einsammelte. Mit anderen Worten: Die Orgel wurde zu einem großen Teil von den Bürgern der Stadt finanziert.

Michael Mages war es, der Gerald Woehl nach Flensburg holte, der sich – und das ist schon fast Legende – einen Tag lang in der Kirche einschließen ließ und mit dem genialen Konzept einer doppelten Orgel in einem historischen Gehäuse wieder herauskam. Es bedurfte etwas Überzeugungsarbeit, bis der Auftrag an ihn erging. Jetzt ist es die einzige barock-symphonische Orgel weit und breit. Und Flensburg darf sich auf magische musikalische Momente feuen.


sh:z
| FT | Joachim Pohl | 18. September 2009