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Die Orgel-Szene schaut nach Flensburg

In St. Nikolai wird am Sonntag die große Woehl-Orgel eingeweiht / Innovatives Konzept umgesetzt

Nach zwölfjähriger Planungs- und Bauzeit wird am Sonntag in der Flensburger Nikolai-Kirche die von Gerald Woehl konzipierte sowie um- und ausgebaute Orgel eingeweiht. Damit ist das Instrument gerade rechtzeitig zum 400-jährigen Jubiläum fertig geworden. Das Flensburger Orgelbau-Projekt fand Beachtung weit über die Region hinaus, weil Woehl nicht nur einer der renommiertesten Vertreter seiner Zunft ist, sondern in Flensburg ein bisher nie da gewesenes Konzept umgesetzt hat.

Mehrere Orgelbauer hatten in dem Instrument ihre Spuren hinterlassen, als es 1997 demontiert wurde – verbaut, überladen und marode. Nach Nikolaus Maaß hatte Arp Schnitger Anfang des 18. Jahrhunderts die Orgel erweitert und umgebaut. Wesentliche Elemente seiner Disposition und einen Teil des Pfeifeninventars hat Woehl in der neuen Orgel verarbeitet. Der Marburger stand vor der Frage, welche Epoche, welchen Stil er bei seinem Um- und Neubau berücksichtigen sollte, denn spätere Orgelbauer wie etwa Marcussen (1831) und Sauer (1922 und 1937) hatten die Orgel nach den zu ihrer Zeit geltenden Ideen umgebaut.

Woehl entschied sich nach Absprache mit Nikolai-Kirchenmusikdirektor Michael Mages für eine Art Doppel-Orgel: ein klar an den Klangidealen des Barock und damit an Schnitger orientiertes Instrument, dazu ein weiteres, von der französischen Schule dominiertes symphonisches Instrument mit besonderen Bauteilen wie Schwellwerk und – als absolute Rarität – Fernwerk. Während der Bauzeit wurde zudem über mehrere Jahre der Renaissance-Prospekt der Orgel von Heinrich Ringerink aufwendig restauriert und in seiner ursprünglichen Farbfassung wieder hergestellt.

Die Flensburger Woehl-Orgel hat großes Interesse in der Organisten-Szene hervorgerufen. Nach der Weihe am 20. September haben sich deshalb viele namhafte Solisten angesagt. So kommt am 24. September Harald Vogel aus Bremen. Am 28. September ist Daniel Roth aus Paris zu Gast. Es folgen Hans-Ola Ericsson (Schweden) am 3. und Wolfgang Baumgratz am 25. Oktober.

sh:z | FT | pop | 17. September 2009