Start A-Z Aktuell Kontakt Gemeinde Die Kirche Orgel Konfirmanden Gottesdienste Kirchenmusik Links


St. Nikolai: Finale eines mitreißenden Festivals

Orgelfestival Sønderjylland-Schleswig endet mit einem Konzert von Michael Mages an der neuen Orgel

Das angekündigte Programm »Dietrich Buxtehude und Zeitgenossen«, also Musik aus barocker Zeit, machte neugierig; denn von dem barocken Pfeifenwerk der noch im Bau befindlichen Woehl-Orgel existieren erst sechs komplette Register. Was KMD Michael Mages trotz dieser Einschränkung an klanglicher Vielfalt aus der Orgel hervorzauberte, bescherte den Zuhörern den reinsten Genuss. Das Konzert wurde an der symphonischen Orgel mit einer Passacaglia in d-Moll von Buxtehude eröffnet. Die Variationen zum ruhig dahinfließenden Bassthema gestaltete Mages farbenreich. Wie bei allen Werken dieses Konzerts bestach das Spiel des Interpreten durch äußerst sorgfältige, luzide Phrasierung der einzelnen Stimmen und durch sehr differenzierte Wahl der Klangfarben. Das kam in diesem akustisch heiklen Raum auch der folgenden Toccata in F-Dur mit ihrem verhaltenen Feuer zugute.

Für einen Block von vier Werken wechselte Mages nun an den Spieltisch der barocken Orgel – ein für den Organisten etwas umständliches Procedere, das aber dem Doppelcharakter des Instruments geschuldet ist. Mit den Werken von Frescobaldi, Sweelinck, Weckmann und Reincken bekam man einen Eindruck für die eher spröde, aber in ihrer Fremdheit reizvolle mitteltönige Stimmung des barocken Pfeifenensembles. Was Mages angesichts der begrenzten Zahl der Register den einzelnen Stücken an individuellem Charakter verlieh, war bemerkenswert. Welch hohe barocke Musikkultur auch hier im Norden ansässig war, zeigte das Praeludium in e-Moll des in Schwabstedt geborenen Nikolaus Bruhns. Das Stück dieses musikalischen Feuerkopfes ist ein quicklebendiges Beispiel für den dramatischen Stylus phantasticus, von Michael Mages souverän dargeboten. Nicht unerwähnt dürfen die beiden Stücke des zu Unrecht unterschätzten Lüneburger Komponisten Georg Böhm bleiben. Besonders die reich verzierte Choralbearbeitung »Vater unser im Himmelreich« steht den Bach'schen Werken der gleichen Gattung kaum nach.

Den Höhepunkt hatte Mages sich für den Schluss aufgespart. Nachdem Buxtehudes Praeludium in C-Dur erneut den Bogen zur norddeutschen Hauptstadt des barocken Orgelspiels gespannt hatte, erklang ein musikalisches Präsent des tschechischen Komponisten Petr Eben zum 350. Geburtstag des Lübecker Meisters. Die Toccatenfuge für Orgel von 1987 speiste sich aus Motiven des vorangegangenen Praeludiums, besonders aus dem Bass-Solo des Anfangs. In Mages' mitreißender Darstellung dieses Werkes kamen barocke Spielfreude und modern-klangliche Intensität auf beeindruckende Weise zusammen.

sh:z | FT | Walter Bartels | 17. September 2008