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Mächtige, vielseitige, opulente Kirchenmusik

Bundeswehr spielt zu Gunsten der St.-Nikolai-Orgel

Die Konstellation ist nicht gewöhnlich, darum reizvoll. Der Orgelbauverein St. Nikolai e.V. hat es organisiert: das Musikkorps der Bundeswehr spielt in der St. Nikolaikirche für eine Orgelerneuerung. Ein Beneficio für das große Kircheninstrument. Während des vierzigjährigen Bestehens hat das Bundeswehr-Orchester vier Millionen Euro für wohltätige Zwecke eingespielt. Gespielt werden diesmal – da einige Musiker erkrankt sind muss Gioacchino Rossinis »La scala di seta« ausfallen – Phillipe Sparke, Guiseppe Tartini und Alfred Reed. Aber wie ist das Empfinden, wie die Atmosphäre? Mächtig klingt das Orchester, schallende Kirchenakustik. Das Stringendo, das schwingende sich Ausbreiten der opulenten Klangsalven durch den Kirchenboden, ein Gewitter entlang der Wände und von der hohen Decke des massiven Raums, wandert in die Ohren, durch den eigenen Körper; man drückt sich gespannt an die harten Holzbänke, man ist dort gefangen, für den Moment.

Dramaturgischer Höhepunkt ist die Flensburger Uraufführung von »Concertino – Leben und Tod im Dialog« von Hans-Joachim Marx. Gemacht ist das Stück für Blasorchester und Orgel, was schön ist, denn schließlich geht es heute Abend um die Orgel. An jener sitzt jetzt Christoph Hamm, und es geht los: »Concertino«, ein Wettstreit, ein Zwiegespräch, thematisch. Für derhin eine instrumentale Auseinandersetzung von Orgel und Orchester über die 100 Zuhörer hinweg, ein Agonie-Feuerwerk. Antithetik von Klang und Stille; Leben und Tod. Schlusskomposition: die Totenglocke, eine Triangel, läutet, dann ist es still. Am Ende steht die Versöhnung mit dem Tod. Sehr versöhnlich.

sh:z | FT | Jasper Fabian Wenzel | 7. Mai 2008