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Sonntag, 26. November, 17 Uhr

Konzert der
Cappella Sankt Nikolai
zum Ewigkeitssonntag

Giovanni Pierluigi da Palestrina (c. 1525-1594)


Missa Papae Marcelli

Link zu YouTube:
The Tallis Scholars, Peter Phillips

Wolfgang Fortner
(1907-1987)
Herr, bleibe bei uns – Geistliche Abendmusik (1945)

Anne-Kristin Zschunke
[Alt
]
Cappella Sankt Nikolai
Ensemble Ars Musica

Leitung:
KMD Michael Mages

Eintritt: 15,- (erm. 10,-)



Vielleicht haben Sie schon einmal von der schönen Legende gehört, nach der Palestrinas legendäres Meisterwerk „Missa Papae Marcelli“ die polyphone – also vielstimmige – katholische Kirchenmusik gerettet hat. Seit Ende des 16. Jahrhunderts kursiert diese Legende, wonach das Konzil von Trient – die katholische Kirche rüstete sich dort zur Gegenreformation – kurz davor war, die polyphone Kirchenmusik wegen der Unverständlichkeit des Textes zu verbieten. Die Schönheit von Palestrinas Musik und ihre Textverständlichkeit soll die Konzilsväter von diesem Vorhaben abgebracht haben.

Nun gibt es keinen Beweis dafür, dass das Konzil tatsächlich ein Verbot der Polyphonie beabsichtigte oder sich durch Palestrinas Messe von diesem Vorhaben abbringen ließ. Aber wie bei so vielen Legenden gibt es auch hier einen wahren Kern. Das Trientiner Konzil hatte der Kirchenmusik auferlegt, im Wort-Ton-Verhältnis die unbedingte Verständlichkeit des Wortes zu wahren.
Giovanni Pierluigi da Palestrina (*1525-1594) hat dieser Forderung in idealtypischer Weise Rechnung getragen. Mit der Komposition der Missa Papae Marcelli, die um 1562 entstand, schuf er ein stilbildendes Meisterwerk, so dass das Repertoire der Sixtinischen Kapelle in Rom schon im 17. Jahrhundert von seinen Kompositionen beherrscht wurde  - ein Zustand, der bis ins 19. Jahrhundert andauerte. Der Name des Komponisten dient bis heute zur Kennzeichnung des Stils der franco-flämischen Vokalpolyphonie – „Palestrina-Stil“. Als Palestrina 1594 starb, wurde er in einer Gruft von St. Peter beigesetzt. Sein Grab trägt die Inschrift Musicae princeps  – „Fürst der Musik“.

Das zweite Werk, das am Ewigkeitssonntag erklingt, führt uns in eine völlig andere Welt: 1945, unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkrieges und dem Zusammenbruch des NS-Regimes komponierte Wolfgang Fortner seine „geistliche Abendmusik“ („Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden“). Fortner, 1907 geboren, übte nach dem Krieg auf die junge Komponistengeneration in Deutschland eine große Faszination aus. In der geistlichen Abendmusik spürt man den Nachhall der Kriegskatastrophe und des Zusammenbruchs.  Und trotzdem vermittelt die mit einer Solostimme, Chor und Streichorchester besetzte Kantate Trost und Zuversicht. An zentralen Stellen wird der evangelische Choral zitiert. Die Verbindung der streng und altmeisterlich anmutenden Kompositionstechnik mit der Tradition des Chorals schafft gewissermaßen Sicherheit und Halt in einer Welt, die jegliche Orientierung verloren hat.

So schuf Fortner ein Werk von ganz zeitgebundener und trotzdem über die Entstehungszeit hinausweisender Eindringlichkeit –  ein Werk, das in Verbindung mit Palestrinas wunderbarer Messe wie geschaffen ist für eine Aufführung am Totensonntag und das übrigens noch nie in Flensburg zu hören war. KMD Michael Mages